Mit innovativen Leader-Projekten rüsten sich Regionen für demografischen Wandel

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Akteure und Förderer treffen sich zur Jahrestagung in der Wein- und Sektstadt Freyburg
Von Bettina Koch

Das Leader-Programm zur Förderung des ländlichen Raums lebt vom Engagement der Akteure in den Regionen. Auf ihrer Jahreskonferenz in Freyburg tauschten sich die Aktiven über Erreichtes und Geplantes aus.
Vom Leader-Programm hat der Burgenlandkreis schon tüchtig profitiert. Das stellte Dieter Engelhardt, erster Beigeordneter des Landrates, am Mittwoch in Freyburg fest. Dass das so ist, liegt an den geflossenen Fördermitteln und an den Akteuren aus Industrie und Landwirtschaft, Tourismus, Kommunen und Vereinen, die sich vernetzen, gemeinsam Ideen entwickeln und für deren Umsetzung streiten.


Bad Bibra will Kneipp-Kurort werden. Mit Leader-Mitteln wurden Kneipp-Anlagen geschaffen, der Gesundbrunnen restauriert und die Grundschule mit Kneipp-Einrichtungen ausgestattet.
  „Aus dem Leader-Topf sind seit 2008 insgesamt 2,9 Millionen Euro in 81 Projekte in unserem Landkreis geflossen. Insgesamt wurden 5,2 Millionen Euro investiert“, berichtete Engelhardt. Er nannte das Naturbad Osterfeld, Kneipp- Einrichtungen in Bad Bibra und Radwege als gelungene Beispiele. So komme der Tourismus voran, werde das Lebensumfeld der Einwohner verbessert und die Wirtschaft gestärkt, lobte er.

Tourismus und Wirtschaft angekurbelt
Auch Freyburg profitiert: Das Städtchen mit im Kern rund 4000 Einwohnern ist Gastgeber fur 250 000 Besucher jährlich, wie Bürgermeister Udo Manicke berichtete. Kulturveranstaltungen auf der Neuenburg, Weinterrassen und Winzer mit Strauswirtschaften, die Rotkäppchensektkellerei und Jahn-Turnfeste sowie Aktiv- Angebote auf Rad-, Wander- und Wasserwegen kurbeln Tourismus und Wirtschaft an. Kulturveranstaltungen auf der Neuenburg, Weinterrassen und Winzer mit Strauswirtschaften, die Rotkäppchensektkellerei und Jahn-Turnfeste sowie Aktiv- Angebote auf Rad-, Wander- und Wasserwegen kurbeln Tourismus und Wirtschaft an. Im benachbarten Zscheiplitz ist das sanierte Gut ein Besuchermagnet. Die einst schlimm heruntergewirtschafteten Gemäuer sind nach 15-jährigem Leerstand von der Winzerfamilie Pawis gekauft und schrittweise mit viel Kraft und Liebe zum Detail als Weingut saniert worden.
 
 Bei der Wiederbelebung des zuletzt erworbenen Stallgebäudes halfen Leader-Mittel, die für Dach und Fassade eingesetzt wurden. Weintouristen konnen nun auch auf dem Gut übernachten, und ein Schandfleck ist verschwunden. Gleich nebenan befinden sich die Klosterkirche, die dank des Engagements der Klosterbruderschaft und anderer Enthusiasten mit Spenden, Geld vom Land und aus der Denkmalpflege wieder in Schuss gebracht wurde, und der Wasserturm, der mit Leader-Mitteln erneuert wurde. Die Klosterbrüder bieten Kirchenführungen und öffnen an Wochenenden den Turm, von dessen Plattform aus Besucher einen phantastischen Blick über das Unstruttal geniesen konnen. Auch der Geo-Lehrpfad, der rund um das Plateau fuhrt, auf dem das Gut steht, wurde mit Leader-Mitteln gefordert. „Die Region hat Vorbildcharakter“, stellte Agrar- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens fest.  
Zscheiplitz: Die Sanierung des Stall- und Gesindegebäudes auf dem Weingut Pawis und des Wasserturms wurde über Leder gefördert.
  Insgesamt sind im Land 23 lokale Aktionsgruppen aktiv, die mit interessanten Projekten ihre Region gestalten. „In der Landesregierung hat Leader einen guten Ruf“, betonte Aeikens. Deshalb wurden weitere EU-Mittel aus der Förderung fur den ländlichen Raum auf Beschluss des Kabinetts in den Leader-Topf umgeleitet. Von 2007 bis 2013 standen 70 Millionen EU-Euro zur Verfügung, nun kommen noch 10 Millionen Euro dazu. Aeikens ermunterte zu kreativen, innovativen Projekten, die Antworten auf den demografischen Wandel geben.

Projekte auf Zukunftsfähigkeit abklopfen

„Wir werden weniger und älter, müssen aber deswegen nicht unglücklicher sein.“ Das dünn besiedelte Skandinavien mache es vor. „Die Projekte müssen auf ihre Zukunftstauglichkeit gepruft werden“, forderte Aeikens. „Es gilt zu prufen, ob es künftig noch genügend Nutzer gibt und ob die Folgekosten auf Dauer gestemmt werden können.“ „Leader bewegt die Menschen, und die Menschen bewegen Leader“, betonte Peter Kaltenegger (EU-Kommission). So werde den Burgern das Gefühl gegeben, dass sie ernst genommen werden und sich beteiligen können. „In Sachsen-Anhalt wird Leader vorbildlich umgesetzt, das ist eine Vorzeigeregion“, so der Österreicher weiter. Auch er setzt auf langfristige Strategien: „Die Netzwerker müssen sich überlegen, wo die Region in zehn Jahren stehen soll, wie sie deren Wettbewerbsfähigkeit, die Umwelt und die Lebensqualität verbessern wollen, und danach sollten sie die Projekte planen.“ Wichtig seien funktionierende Teams und ein professionelles Management.

Neuartige Projekte brauchen flexiblen Rahmen
Schwachpunkte seien häufig die Kofinanzierung durch Länder und Kommunen, der Behördendschungel oder auch eine zu strenge Auslegung der Förderfahigkeitsregeln. Gerade, wenn man auf kreative und innovative Projekte setze, passe dies nicht immer in den vorhandenen Rahmen. Deshalb mussten auch die Rahmenbedingungen flexibel gestaltet werden. Am Geiseltalsee liegen die Ergebnisse innovativer Leader-Ideen gerade brach. Die Tourismuswirtschaft steht mit Fahrradverleih, Rundweg, Geiseltalexpress, Marinas, Irrgarten, Weinanlage und Gastgewerbe in den Startlöchern. Die Region wartet auf die Entlassung des Sees aus dem Bergrecht. Nach dem Unglück von Nachterstedt wagt es aber derzeit offenbar kein Entscheider, seine Unterschrift unter das Papier zu setzen.

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Dokument erstellt am 14.10.2011
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