Hinter Kirchenmauern lauert Spannendes

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Orgel, Glocken und Marmeladen erstaunen Besucher der „Süßen Tour“ in Langenweddingen
Von Constanze Arendt

Die Kirche St. Georg in Langenweddingen dokumentiert auch den Wohlstand des Ortes. Wer die „Süßen Tour“ am Wochenende nutzte, konnte dabei auch Ausergewohnliches entdecken.


Christine von Mertens bot in der Kirche St. Georg ihre süßen Marmeladen in Kombination mit Mürbeteig zum Probieren an.
  Die Kirche in Langenweddingen ist zwar kein klassischer „Rübendom“ wie in Altenweddingen, aber der Wohlstand, den die Landwirtschaft und die Ruben in die Region gebracht haben, ist auch hier zu erkennen. Pfarrer Raimund Müller-Busse bezeichnet die Kirche St. Georg als schöne Kirche, deren Kreuzform doch sehr unublich ist. Am Sonnabend konnten sich davon auch Langenweddinger, die seltener in die Kirche gehen, und Angereiste überzeugen. Denn die Kirche war auch in diesem Jahr eine Station der „Süßen Tour“, die durch die Magdeburger Börde führte. Gemeinsam sorgten der Kirchenmusiker Werner Jankowski und Pfarrer Raimund Müller-Busse fur einen unterhaltsamen Ausflug in die Geschichte. Erste Station war dabei die Orgel. Das stattliche Orgelprospekt ist so alt wie die 1703 erbaute Kirche, aber dahinter wurde 1910 ein neues Orgelwerk eingebaut. 1969 wurde das Konzept der Orgel nochmals verändert. Anhand verschiedener Pfeifenmodelle erklarter Werner Jankowski auch die Klangvielfalt, die er anschließend auch beim Orgelspiel selbst bewies. „Wir konnen mal unerträglich laut spielen, aber auch ganz Zartes ist möglich“, erklarte er. Laut wurde es auch für die, die den Aufstieg bis hoch zu den Glocken in den Turm gewagt hatten. Hier zeigte Pfarrer Müller-Busse das Glockenduo - eine Stahlglocke aus dem Jahr 1925 und eine Bronzeglocke aus dem Jahr 2003. Die beiden anderen Stahlglocken sind kaputt und stehen heute vor der Kirche und am Glockenteich.
 
„Gern wollen wir, da eine Stahlglocke nur etwa 75 bis 100 Jahre halt, noch eine zweite Bronzeglocke haben, ihr Platz ist hier im Glockenstuhl schon reserviert“, erklärte der Pfarrer und verwies darauf, dass bereits begonnen worden ist, fur die neue Glocke zu sammeln. Da diese aber mehrere tausend Euro kosten wird, werde die Sammlung sich wohl einige Zeit hinziehen. Dennoch: Wie 2,2 Tonnen Bronze inklusive eines zwei Zentner schweren Klöppels klingen, wurde deutlich, als Raimund Müller-Busse das Lautewerk in Gang setzte. Und noch viel mehr gab es im Turm zu entdecken. So sind noch Teile des alten Uhrwerks, wie beispielsweise die Umlenkrollen, noch im Kirchturm zu finden, obwohl das Uhrwerk heute im Pfarrhaus seinen Platz gefunden hat.  
Anhand einzelner Pfeifen erklärte Kirchenmusiker Werner Jankowski, wie die Töne der Orgel entstehen. Fotos: Constanze Arendt
 

Nach einem anstrengendem Aufstieg vermittelte Pfarrer Raimund Müller-Busse im Glockenturm Interessantes zu den Glocken.
 
   Selten hat man auch die Gelegenheit, einmal oberhalb des Gewolbes unter dem Kirchendach entlangzuspazieren. Bei einem Stopp an dieser Stelle, hielt der Pfarrer weitere spannende Geschichten parat, die nicht nur von den Besonderheiten während der Umbauphasen erzahlten. Wohl kaum einer möchte heute noch glauben, dass die Zukunft der Langenweddinger Kirche 1991 fast nicht mehr gesichert war. Doch die Frage, ob noch alle Kirchen so wie heute genutzt werden können, werden sich wohl nachfolgende Generationen stellen müssen. „Wir versuchen, im Kirchspiel Sülzetal alle neun Kirchen und eine Kirchenruine zu erhalten, aber das wird immer schwieriger, da die Kirchenmitglieder immer weniger werden“, erlauterte Pfarrer Raimund Müller-Busse die Situation.

 Dass eine Kirche aber durchaus auch als kulturelle Plattform genutzt werden kann, bewies Christine von Mertens. Fur die „Süßen Tour“ prasentierte sie ihre Früchteküche. Aus gesammelten Früchten, die leider in den Feldhecken immer gern vergessen werden, hatte sie verschiedene Marmeladen gekocht und diese dann in Kombination mit Murbeteig zum Verkosten angeboten. Mit Erfolg, sodass sie ihr „stilles Kämmerlein“ jetzt vielleicht öfter zur Präsentation verlassen wird.

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Dokument erstellt am  17.10.2011


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